WP I Mein Leben
8 Foto: XX MEIN LEBEN ICH BIN EIN TEIL VON EUCH Ich studiere im vierten Semester in Gel- senkirchen Journalismus und PR – und ich lebe auf dem Land bei Schmallen- berg im Sauerland. Das sind bei dem Thema zwei unterschiedliche Welten. Mein Studiengang ist stark links-grün geprägt, da bin ich der mit den abseiti- gen Ansichten. Hier im Sauerland be- komme ich viel Zuspruch. Ich würde mich als konservativ libe- ral beschreiben. Das heißt für mich, die Bestandteile unserer Gesellschaft erhalten zu wollen, die sich über Ge- nerationen bewährt haben. Dazu ge- hört auch, Verfechter unserer sozialen Marktwirtschaft zu sein. Ich glaube, dass Deutschland ein Land ist, das „Grün zu denken, nachhaltig zu leben und die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Bewegung Fridays for Future gut zu finden – das ist Mainstream ge- worden. Gerade für Menschen in mei- nem Alter. Ich merke, dass ich für mei- ne Ansichten leicht verurteilt werde und mich dann rechtfertigen muss. Als wäre ich so eine Art Nestbeschmutzer meiner Generation. Greta Thunberg: Die Jugend gestohlen? Das ist doch Unsinn! Ich habe die Bewegung von Beginn an mitverfolgt – und war schon sehr früh sehr kritisch. Viele von denen, die mit auf die Straße gegangen sind, schwim- men meiner Meinung nach einfach nur mit. Und sie propagieren einfache Lö- sungen für komplexe Probleme. Dass Greta Thunberg sagt, man habe ihr die Jugend gestohlen, und dass andere Ju- gendliche das nachplappern, halte ich für absoluten Unsinn. Unserer Gene- ration geht es dank des exorbitanten Wohlstands so gut wie kaum einer zu- vor. Zudem stört mich, dass einige aus dieser Bewegung das Gefühl haben, die Wahrheit gepachtet zu haben und im Sinne einer großen Sache zu han- deln, der alles sofort unterzuordnen ist. Dadurch wird gesellschaftlicher Austausch verhindert. Nicht falsch verstehen: Die Bewegung hat auch Argumente. Den menschenge- machten Klimawandel kann man nicht wegdiskutieren. Wer das anders sieht, der begibt sich auf das Niveau der Kli- mawandelleugner und von denen bin ich meilenweit entfernt. Wir Menschen müssen handeln, müssen auf die Um- welt achtgeben, müssen unser Leben verändern. Aber das geht nur Hand in Hand mit einer klugen Wirtschafts- politik, mit einer Technologieoffenheit. Stoppen, verbieten, reglementieren al- lein sind keine Lösungsansätze. Erzählungen von der Apokalypse als Basis für eine radikale Politik Das Nachrichtenmagazin „Der Spie- gel“ hat auf seinem Titelbild schon vor 35 Jahren den Kölner Dom unter Was- ser abgebildet. Diese Erzählungen von der Apokalypse sind nicht ganz neu – und nun werden diese Szenarien als Drohkulisse für eine radikale Politik aufgebaut. Viele sagen mir: Du musst aber doch an deine Zukunft denken. Jetzt ist die letzte Chance! Aber ich denke ja an meine Zukunft, nur in an- deren Lösungen. Eric Steinberg (20) aus Schmallenberg ist kein Freund der Klima-Bewegung „Fridays for Future“. Wegen seiner Ansichten muss er sich rechtfertigen. JUNG, STUDENT – UND KRITIKER VON FRIDAYS FOR FUTURE Fotos: Ralf Rottmann / Funke Foto Services
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